Unvergessen, 2024 – 2026

Diese Arbeit versammelt Fotografien von Porträts auf Grabsteinen und untersucht sie als Ausdruck gelebter Erinnerungskultur.

Fotos fungieren als Träger von Erinnerung: Sie bewahren Gesichter, konservieren Biografien und ermöglichen eine unmittelbare, emotionale Verbindung zur Vergangenheit. In der Trauer- und Bestattungskultur werden sie zu visuellen Ankerpunkten, die Nähe herstellen und das Andenken an Verstorbene im öffentlichen Raum sichtbar halten.

Die Grabsteinfotografie ist dabei mehr als ein Abbild. Sie steht für den Versuch, Persönlichkeit, Identität und gelebtes Leben über den Tod hinaus zu bewahren. In vielen Kulturen werden diese Bilder bewusst ausgewählt und zeigen Menschen in Momenten von Freude, Aktivität oder Vertrautheit. Sie spiegeln das menschliche Bedürfnis nach Kontinuität, Unvergänglichkeit und Zugehörigkeit wider.

Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit ist die Frage nach der Auswahl dieser Bilder. Wer entscheidet über das letzte Porträt – die Hinterbliebenen oder der Verstorbene selbst? Welche Vorstellungen von Erinnerung, Selbstbild und Beziehung werden in dieser Entscheidung sichtbar? Durch das systematische Fotografieren und Archivieren der Porträts entsteht eine Sammlung, die diese individuellen Entscheidungen nebeneinanderstellt und vergleichbar macht.

Das Projekt ist als fortlaufende fotografische Sammlung angelegt. Die Porträts werden aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus fotografisch erfasst, bewahrt und in einen neuen Zusammenhang überführt. Entgegen der häufig düsteren Wahrnehmung von Friedhöfen zeigen viele dieser Bilder eine überraschende Lebendigkeit und Wärme. Die Sammlung versteht sich daher nicht als Dokument des Endes, sondern als Archiv von Nähe, Leben und fortdauernder Erinnerung.

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This work brings together photographs of portraits found on gravestones and examines them as expressions of lived remembrance culture. Photographs function as carriers of memory: they preserve faces, conserve biographies, and create an immediate emotional connection to the past. Within mourning and burial culture, they become visual anchor points that evoke closeness and keep the memory of the deceased visible in public space.

Gravestone photography is more than a simple representation. It reflects the attempt to preserve personality, identity, and a life once lived beyond death. In many cultures, these images are deliberately chosen and depict people in moments of joy, activity, or familiarity. They mirror the human desire for continuity, permanence, and belonging.

A central aspect of this work is the question of how these images are selected. Who decides on the final portrait—the surviving relatives or the deceased themselves? What ideas of memory, self-image, and relationship become visible through this decision? Through the systematic photographing and archiving of these portraits, a collection emerges that places these individual choices side by side, making them comparable.

The project is conceived as an ongoing photographic collection. The portraits are documented outside their original context, preserved, and transferred into a new framework. Contrary to the often sombre perception of cemeteries, many of these images reveal a surprising vitality and warmth. The collection therefore understands itself not as a document of endings, but as an archive of closeness, life, and enduring remembrance.